SLV Bernau

SLV-Aushängeschild Florian Knopf im Interview

Florian Knopf, Copyright by jack_scorner

In Mitten der finalen Phase zur Saisonvorbereitung hat sich Florian Knopf Zeit für ein Interview genommen. Der aufstrebende Nachwuchslangläufer berichtet über seine ersten Schritte auf Langlaufskiern vor vielen Jahren, seine schwere letzte Saison, das umfangreiche Sommertraining eines Langläufers und über seine Ziele für die anstehende Saison.

  • Frage: Der letzte Winter war dein erster im Seniorenbereich. Das ist im Skilanglauf immer eine knifflige Situation. Trotzdem konntest du bei der U23 WM sehr gute Ergebnisse erzielen.  Warst du zufrieden mit deinen ersten Erfahrungen bei den „Großen“.

Florian: „Das letzte Jahr war für mich ein Lernjahr mit vielen Erlebnissen unterschiedlicher Art. Nachdem es die letzten Jahre fast nur bergauf ging, habe ich zu Beginn des letzten Winters erst einmal herbe Niederlagen einstecken müssen. Zum einen musste ich mich erst einmal an ein sehr starkes Herrenfeld gewöhnen (war nun in einem Starterfeld von 20-Ü30jährigen), zum anderen lag es auch an gewissen Trainingsfehlern. Nach meiner letzten und nahezu perfekten Juniorensaison, habe ich meine Stundenanzahl im Sommer 2019 sehr gesteigert, was mich bis zum Winter in eine Art Übertraining gebracht hat. Es hat bis in den Februar gedauert, bis ich wieder mein volles Leistungspotential abrufen konnte und zum Glück gerade noch rechtzeitig die Qualifikation für die U23-WM erbracht habe. Dort konnte ich mit Platz 14 meine Saisonbestleistung abrufen und somit meine Saison krönen. Zusammenfassend habe ich viel für die Zukunft gelernt und habe auch einmal merken müssen, wie es sich anfühlt hinterherlaufen zu müssen. Diese Erfahrungen haben mir viel für die Zukunft gebracht.“

  • Frage: Ein Sprichwort sagt: „Ein Langläufer wird im Sommer gemacht.“  Immer wieder werde ich von den Läufern der Bernauer Jugendgruppe gefragt, was und wie viel du im Sommer so trainierst, damit du so gut werden konntest. Beschreibe doch kurz wie oft und welche Sportarten du über den Sommer so machst.

Florian: „Das Sprichwort ist definitiv richtig! Oft werde ich gefragt was ich nun den ganzen Sommer mache, da Langlauf ja nur im Winter machbar ist. Doch ohne viel Training im Sommer fehlt die Grundlage für eine lange Wintersaison mit oft 40 Wettkämpfen. Im Sommer trainiere ich mit Abstand am Meisten. Teilweise über 30 Stunden in einer Woche. Das Schöne am Skilanglauf ist die Diversität der Trainingsmittel. Ich mache viele Bergtouren, gehe laufen, schwimmen, Rad fahren, mache Krafttraining, langlaufen in der Skihalle und bewege mich vor allem viel auf Rollskiern. Am Liebsten trainiere ich in meinem Rollskigebiet oberhalb von Bernau. Dort habe ich mittlerweile ein Streckennetz von über 80km entdeckt – Tendenz steigend. Über das ganze Jahr gesehen komme ich jetzt mit 21 Jahren auf ca. 900 Trainingsstunden und über 10.000 Kilometer. Den Großteil davon trainiere ich von Mai bis November.“

  • Frage: Wenn du dich an das Alter mit 11/12 Jahren erinnerst. Was war damals für dich im Training das Wichtigste?

Florian: „Damals hätte ich nicht einmal ansatzweise gedacht, dass ich mal mein Hobby zum Beruf machen kann und das ich so weit in diesem Sport kommen werde. Das Wichtigste war für mich damals – wie auch heute noch – der Spaß am Sport. Im Vereinstraining von Hildegard Zeitler habe ich mich immer sehr wohl gefühlt. Auch die super Trainingsgruppe war für mich damals von großer Bedeutung.“

  • Frage: Wurden Dir damals schon Werte vermittelt, die Dir heute noch im täglichen Training weiterhelfen?

Florian: „Wie gesagt neben dem Spaß habe ich damals die Grundwerte des Leistungssports gelernt. Diese wären zum Beispiel die Konsequenz beim Training, Motivation und der Glaube an sich selbst.“ 

  • Frage: Jetzt als Profisportler lebst du wahrscheinlich deinen Traum von früher. Wie ist das für dich?

Florian: „Es macht mich glücklich und stolz meinen Traum leben zu dürfen. Allerdings weiß ich, dass es nicht von ungefähr kommt, da es mit sehr viel Arbeit und Fleiß verbunden war. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es ohne die große Unterstützung meiner Familie, besonders der meines Vaters, nicht möglich gewesen wäre diesen Traum zu realisieren.  Ich konnte meine schulischen und sportlichen Ziele immer ohne Druck verfolgen und diese mit sehr viel Freude erreichen.

  • Frage: Jetzt steht die neue Saison unmittelbar vor der Tür. Wie lief Dein Training in diesem Sommer bisher? Und was nimmst du Dir für deine zweite Saison im Seniorenbereich vor?

Florian: „Obwohl sich für mich dieses Jahr mein Leben grundlegend geändert hat, bin ich rein sportlich gesehen mit dem diesjährigen Trainingsverlauf sehr zufrieden. Im August war ich das erste Mal mit der Weltcupmannschaft in der Schweiz im Trainingslager. Die Herbstwettkämpfe waren vielversprechend und nun steht die finale Vorbereitung mit Schneelehrgängen am Dachstein, in Davos und Livigno an. Mein Ziel ist mindestens ein Weltcupstart und bei der U23-WM – sofern sie stattfindet – in die Top10 zu laufen.“

Lieber Florian, vielen Dank für deine ausführlichen Antworten und viel Erfolg und Gesundheit für die anstehenden Aufgaben.

Interview geführt mit Lorenz Genghammer